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Ich lebe, ihr sollt leben!
Bei der Kreuzigung Jesu waren vier Frauen und
ein einziger Jünger, Johannes dabei.
Nach dem Begräbnis schlossen sich die Jünger ein.
Sie spürten die Feindseligkeit der Außenwelt.
Sie hatten Angst, als Anhänger des Gotteslästerers
und Volksverhetzers beseitigt zu werden.
Durch den Tod des Meisters waren alle guten Worte,
Verheißungen, Seligpreisungen, Taten und Zeichen,
die er gesprochen und getan hatte, weggeflogen wie ein
Traum.
Sie hatten keinen Glauben mehr an sein Wort,
kein Vertrauen mehr auf ihn.
Der Tod
bestimmte ihre Wirklichkeit.
Für Maria aus Magdala war das ganz anders.
Ihre Verbindung zu Jesus trotz des Todes nicht zu Ende.
Sie erlebte ihre Befreiung von den ‚bösen Geistern’ durch
ihn,
sein Zusammenleben mit den Armen und Hilflosen,
die Erquickung der Traurigen, Ermutigung der Hoffnungslosen
–
also die
Liebe!
Diese Erfahrung lehrte Maria, die Welt anders zu sehen:
Die Welt
der Liebe, der Hoffnung, des Lebens.
Sie glaubte an die Macht der Liebe, die stärker ist als
die des Bösen, der Resignation, der Gleichgültigkeit.
Sie weiß, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
Das Leben lässt den Tod im Grab liegen,
hilft den Menschen auf die Beine,
lehrt sie hoffen, zeigt, wie kostbar es ist, wie es sich
lohnt,
sich dafür zu opfern.
Das lernte Maria aus Magdala bei Jesus und
vergaß es auch nach der Kreuzigung nicht.
Nicht vergessen, ist ja die Stärke der Frauen!
Deshalb konnte Maria die Mitteilung des Engels
ohne Schwierigkeit vernehmen:
„Er ist nicht hier; Gott hat ihn vom Tod erweckt!“
So ist sie – und das ist kein Zufall – der erste Zeuge
der Auferstehung Jesu.
Auch die Jünger, die in ihren
Unglauben zurückgefallen waren,
richtete der Auferstandene wieder auf und gab ihnen die
Überzeugung,
dass der Tod
nicht das Entscheidende ist, sondern das Leben,
das Leben, für das Jesus mit dem Tod bezahlte.
Auferstehung gibt es nur durch den Tod hindurch.
Was bedeutet diese Osterbotschaft für uns heute?
Zuerst dies: „Freuen dürfen sich alle, die mich nicht sehen
und mir trotzdem vertrauen.“ (Joh. 20, 29).
Die Auferstehung, d.h. der Triumph des Lebens über den Tod
wird nicht durch das Zeichen des leeren Grabes und
das Sehen, wie Thomas gesehen hat, begreifbar und glaubhaft.
Die Auferstehung des Lebens ist der ganze Weg Gottes,
wie ihn die Propheten und Jesus zeichneten und
praktizierten.
Gottes Erniedrigung in der Gestalt des Knechtes war,
ist und bleibt bereits die Auferstehung.
Diese Auerstehung des Lebens befreit den Menschen von den
‚bösen Geistern’,
die die Menschheit versklaven.
Leben wird
für uns dann erfahrbar und geschenkt,
wenn wir
die ‚bösen Geister’ unserer Zeit bekämpfen,
die uns unterdrücken und ausbeuten,
sei es in der zwischenmenschlichen Beziehung oder
in gesellschaftlichen Strukturen.
Wir Christen haben nun die Vollmacht, den Auftrag,
diese ‚bösen Geister’ zu vertreiben
und die „unbekannte Sprache“ zu sprechen (Mk 16,17),
so dass die Mächtigen das, was sie nicht gehört und gesehen
haben,
nun hören und sehen (Jesaja 52, 15).
Das Leben hat die Schwelle des Todes, der den Menschen
beherrschen,
unterdrücken und vernichten will, überschritten.
Das ist Gottes Vorleistung, sein erster einseitiger Schritt.
Durch ihn sind wir aus der Todesbahn der Abschreckung,
aus dem Verhängnis, den Frieden durch das Gleichgewicht des
Schreckens
sichern zu wollen, befreit.
Karfreitag und Ostern 2008
Young Bin Lie Pfr. i.R.
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